Wie PS: Pferde Stärken funktioniert

Pferde-unterstützt arbeiten nach dem EAGALA Modell

EAGALA

Unsere Arbeit beruht auf der Methode des pferde-unterstützten Lernens und der Psychotherapie nach EAGALA, dem weltweiten anerkannten Dachverband für pferde-unterstütztes Wachstum und Lernen.

Die Arbeit nach EAGALA baut auf ein Lernmodell auf, in dem Pferde in den Prozess miteinbezogen sind. Für Coachings und Supervisionen arbeiten wir nach einem vorher definierten und mit KundInnen/KlientInnen abgestimmten Lernplan und Zielvorgaben. Dafür haben wir eine oder mehrere experimentelle Übungen im Vorhinein ausgewählt, um das Lernziel bestmöglich zu erreichen. 

Lernen gründet auf Erfahrung

Das Modell nach dem wir arbeiten baut auf verschiedenen pädagogischen Elementen auf. Hauptbestandteil ist dabei das erfahrungsbasierte Lernen (experiental learning). Danach ist effektives und sinnstiftendes Lernen erst durch eine unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand möglich. Lernen und persönliche Weiterentwicklung setzt in diesem Modell eine konkrete Erfahrung mit Echtcharakter außerhalb artifizieller Lernumgebungen (wie etwa einem Seminarraum) voraus. Beim erfahrungsbasierten Lernen steht der oder die Lernende als AkteurIn im Mittelpunkt. 

Wir gehen dabei nach den Phasen des Kolb’schen Lernzyklus vor:

Phase 1- Konkrete Erfahrung: Unsere Arbeit beginnt immer mit dem Kennenlernen der Pferde, um unseren KundInnen bereits bei Beginn eine konkrete Erfahrung zu ermöglichen. Jede weitere experimentelle Aufgabenstellung knüpft daran an.

Phase 2 - Beobachtung & Reflexion: Nach dem Kennenlernen der Pferde sowie nach jeder Aufgabenstellung gibt es ein Check-in, in dem das Team Beobachtungen an die KundInnen weitergibt, die diese reflektieren können.

Phase 3 -  Methaphern oder Parallelen: Die Reflexion des Erlebten ermöglicht es den KundInnen, Parallelen zum eigenen Leben zu ziehen bzw. Metaphern rund um die Pferde zu bilden. 

Phase 4 - Das aktive Experimentieren: Anhand der Metaphern können jetzt durch aktives Experimentieren unter Einbeziehung der Pferde neue Strategien, Lösungswege, oder Sichtweisen ausprobiert werden.

Wir verwenden folgende Techniken, um den Lernprozess unserer KundInnen in diesen Phasen zu unterstützen:

 

1
Die Aufteilung innerhalb des Teams: Damit Sicherheit und volle Aufmerksamkeit für unsere KundInnen als auch für die Pferde gewährleistet werden kann, gibt es eine klare Rollen- und Arbeitsverteilung innerhalb des Teams.

 

2
Der Erlebnispädagogische Übungsablauf: Um das Learning by doing zu ermöglichen, entwerfen wir die experimentellen Aufgaben so, dass der Lernzyklus gewährleistet wird. Das heißt, dass jede neue Aufgabe mit einem konkreten Erlebnis für die Teilnehmenden beginnt.

 

3
Das Beobachtungsmodell: Während der Übungen erfassen wir methodisch Veränderungen im Verhalten, wiederkehrende Muster, einzigartige Momente während des Ablaufs, sowie Diskrepanzen zwischen Verhalten und Gesagtem. In der Beobachtungsphase ermöglichen wir den Teilnehmenden, diese zu reflektieren. 

 

4
Clean Language: Um diese Beobachtungen wiederzugeben, verwenden wir ausschließlich eine „saubere“ Sprache, das heißt frei von Beurteilungen und Interpretationen. Wir beziehen uns dabei zum Schutz unserer KlientInnen weitgehend auf die Beobachtungen zu den Pferden. 

 

5
Bildung und Verwendung von Metaphern: Sobald die Teilnehmenden eine Parallele zu ihrem Leben ziehen, greifen wir diese auf und arbeiten damit weiter. Es ermöglicht, dass diese das mit den Pferden Erlebte in ihren Alltag mitnehmen können.

 

Mit Hilfe dieses Modells gestalten und begleiten wir zielgerichtet den Lern- und Veränderungsprozess unserer KundInnen. Sie erhalten im Anschluss ein Fotoprotokoll sowie bei Bedarf eine ausgearbeitete Dokumentation ihres Prozesses.

 

Die vier Prinzipien der Arbeit nach dem EAGALA Modell:

  • Teamarbeit

    Das Arbeiten im Team setzt zumindest drei Teammitglieder voraus, darunter sind zwei FachexpertInnen und ein Pferd. 

    Das ExpertInnen-Team beinhaltet zumindest

    • ausgebildete psychologische/psychotherapeutische Fachkompetenz
    • Pferdekompetenz mit mehrjähriger Erfahrung
    • für größere Gruppen ziehen wir weitere Fachexpertise hinzu

    Für uns ist in der Arbeit mit Organisationen und Unternehmen darüber hinaus noch andere Fachkompetenz besonders wichtig. Wir stützen uns dabei jeweils auf Ausbildungen sowie mehrjährige Erfahrung in den Bereichen:

    • Coaching & Supervision
    • Personal-und Organisationsentwicklung
    • Training in der Erwachsenenbildung

  • Arbeit 100 % vom Boden aus

    Alle Aufgaben bzw. experimentelle Übungen finden immer vom Boden aus statt. Das heißt, dass nicht geritten wird. In der Regel können sich die Pferde frei bewegen.

  • Lösungs- und ressourcenorientiertes Arbeiten

    • KlientInnen/KundInnen-zentriert & non-direktiv: Im Fokus stehen immer die KundInnen. Diese werden dazu motiviert, ihre eigenen Lösungen zu den Fragestellungen zu finden.
    • Bildung & Verwendung von Methaphern: Diese kommen von den KlientInnen selbst und sind Grundlage der Lösung und Transfer des Modells in den jeweiligen Alltag.

  • Arbeiten nach dem EAGALA Ethik-Kodex

    • Einhaltung der höchst-möglichen Standards in der jeweiligen Fachkompetenz. Das beinhaltet auch die Verpflichtung und ständige Überprüfung, dass nur mit gesunden Pferden gearbeitet wird
    • Schweigepflicht
    • Kontinuierliche Fortbildung in den jeweiligen Bereichen 

  

Ein Beispiel aus dem Teamtraining – Experimentelles Lernen mit langfristiger Wirkung

Ein stark überlastetes Team aus dem Gesundheitsbereich kommt zu einem Team-Workshop mit dem Ziel, „auszulüften“, etwaige Stressoren sichtbar zu machen, und dagegen Strategien zu entwickeln. Darüber hinaus hat der Teamspirit bereits begonnen, unter der langen Überforderung zu leiden.

PS: hat sich einen Übungsablauf überlegt, in der das Team gemeinsam, aber auch jede/r für sich, Stressoren erkennen und benennen kann. Dafür werden symbolisch Gegenstände aus dem Teamalltag herangezogen, damit die Teammitglieder diese miteinbeziehen können. In diesem Fall etwa ein altes Telefon, eine Uhr,  ein Arztkoffer, sowie andere Gegenstände, mit denen gebaut oder gebastelt werden kann (Stangen, Pylonen, Reifen, etc.)

Nach dem Kennenlernen der Pferdeherde finden einige im Team bereits erste Parallelen zu ihrem Berufsalltag. Mit diesen Parallelen und der Aufgabe, das darzustellen, was im Dienst am meisten stresst, werden sie auf den Übungsplatz zurück geschickt.

Das Team diskutiert sehr lange, dann baut es ein sehr umfangreiches Hindernis auf. Dahinter platziert es den Ärztekoffer. Die Pferdeherde ist davon sehr unbeeindruckt und grast am anderen Ende der Koppel. 

In der Reflexionsrunde  erzählt das Team von der Schwierigkeit, überhaupt noch an die PatientInnen „ran“ zu können, es sei zu viel Administratives zu erledigen. Auf Nachfrage meint das Team (symbolisch dargestellt durch den Ärztekoffer), dass die Pferdeherde für die PatientInnen stehe, die nicht einmal in der Nähe wären. 

In der anschließenden Aufgabe kann das Team verschiedenen Strategien ausprobieren, um  mehr Zeit mit den PatientInnen (Pferdeherde) verbringen zu können. Nach einiger Zeit und mehreren aktiv ausprobierten Möglichkeiten kommt das Team schließlich zur letzten Reflexionsrunde. Dabei wird deutlich, dass nur jene Strategien funktioniert haben, bei denen alle Teammitglieder dieselbe Strategie verfolgten wie die Teamleitung. Bei diesem Ansatz war die Pferdeherde auch jeweils aktiv dabei.

Um sich an die neu erprobten Strategien erinnern zu können, bekommt das Team das Foto- und Metaphern-Protokoll mit auf den Weg.

„Sag es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können“

Konfuzius